Justice for Johnny Depp:

 

Ein Prozess wird zum Social Media Phänomen

Tell the world, Johnny, tell them: „I, Johnny Depp, a man, I’m a victim of domestic violence too“ and see how many people believe or side with you.
Amber zu Johnny, 2016

Der Verleumdungsprozess, den Johnny Depp und Amber Heard gegeneinander führen, hält die Welt seit mehr als einem Monat in Atem. Audioaufnahmen, die bis dato als Beweismittel in Virginia hervorgingen, zeichnen ein erschütterndes Bild. So enthüllen private Konversationen der beiden, dass Amber Heard Johnny Depp oft mit der Faust ins Gesicht schlug, ihn fast in den Suizid trieb und in einem Streit sogar mit einer Flasche die Fingerkuppe abtrennte. Schockierenderweise behauptet Amber Heard, das Motiv für ihre Gewalt sei es gewesen, dass sich Johnny Depp den Eskalationen entzog und um Distanz bat. In ihren Augen war er ein Feigling, weil er ein Problem mit ihren Angriffen hatte. Für den Zuhörer ist klar: Johnny wurde von Amber missbraucht!

Dennoch war sie es, die ihn 2016 öffentlich der häuslichen Gewalt bezichtigte, obwohl Zeugenaussagen der Polizisten, die nach einer angeblichen Auseinandersetzung zu Depp’s Penthouse gerufen wurden, keinerlei Anzeichen dafür fanden. Mehr als zwei Jahre später schrieb sie dann einen Kommentar für die Washington Post darüber, wie sie „den Zorn unserer Kultur“ auf sich zog, weil sie sich gegen Gewalt aussprach. Unter Anbetracht aller Beweise, die der Öffentlichkeit nun mehr vorliegen, war das Op-Ed ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die häusliche Gewalt tatsächlich erlebt haben. Ein Auszug von Amber’s Aussagen in einem Gespräch mit Johnny aus dem Jahr 2015:

  • I can’t promise I won’t get physical again
  • God, I f**king sometimes get so mad, I lose it
  • I’m sorry that I didn’t hit you in a proper slap
  • It was not punching you, I was hitting you
  • Any time anything goes wrong, you split
  • You f**king split at the top of a fight
  • You are such a baby! Grow the f**k up
  • You can’t run away every fight, it’s not brave
  • Just because I’ve thrown pots and pans…

Öffentlichkeit hält zu Johnny

Zwar nannte Amber Heard Johnny Depp in ihrem Artikel nicht namentlich, aber es hat ihn dennoch seine Karriere und seinen Ruf gekostet. Diesen versucht er durch die Verleumdungsklage nun wieder herzustellen. Das Urteil steht vor dem Fairfax County Circuit Court noch aus, doch viele klassische Medien befinden sich weiterhin auf der Seite von Heard. Oder sie versuchen beide als „gegenseitig missbrauchend“ darzustellen, ungeachtet der inhärenten Machtdynamik in missbräuchlichen Beziehungen. Die Öffentlichkeit wiederum bezieht in den sozialen Medien eine andere Stellung. Und das ist wichtiger als ein juristischer Sieg.

Seither trendet der Hashtag #JusticeforJohnnyDepp, zu Deutsch: Gerechtigkeit für Johnny Depp. Dieser Hashtag erlebte vor ein paar Jahren schon einmal einen Aufschwung, nahm seit Beginn des Prozesses im April 2022 jedoch außerordentlich Fahrt auf. Auch wurden zu diesem Hashtag allein im Englisch-sprachigen Raum über einen Zeitraum von einem Jahr 41.917 Artikel veröffentlicht, die über 27 Mio. Interaktionen erzeugten. Der von Amber Heard hinzugezogene Social-Media-Experte Ron Schnell gab an, dass #JusticeForJohnnyDepp negativ gegen Heard gerichtet sei. Johnny Depp’s Anwalt fragte daraufhin: „Is Justice in general a good thing?“. Dies bejahte Schnell.

#JUSTICEFORJOHNNYDEPP

Der Hashtag hat es in den sozialen Medien an die Spitze der Trends geschafft und vereint dort die unterschiedlichsten Menschen

Der Hashtag geht viral

Die Inhalte von #JusticeforJohnnyDepp verbreiten sich in die sozialen Medien schneller als jedes Katzenvideo, insbesondere seit immer mehr Beweise ans Tageslicht kommen. Auf TikTok erzielt der Hashtag bereits über 14 Milliarden Beiträge. Hinzukommen noch viele verwandte Hashtags, mit denen sich die Community – darunter nicht nur Fans von Johnny Depp – schützend vor den Schauspieler stellen. Auf Youtube gehen seine Reaktionen, Dr. Shannon Curry’s Diagnose, Analysen von Body Language Experten oder Anwälten und vor allem Amber’s Kreuzverhör durch Camille Vasquez viral. Auch auf Instagram und Twitter widmen sich viele Accounts diesem Thema:

Support kommt nicht nur von Fans

Viele Mainstream-Journalisten können diese Unterstützung noch nicht so recht verstehen und fragen sich: „Warum stellt sich das Internet auf die Seite eines Mannes“? Immerhin sei es noch nicht so lange her, dass im Zuge der #MeToo Bewegung der Slogan „Believe Women“ durch die virtuellen Straßen zog. Ein Thema, dessen Suchinteresse laut Google Trends zuletzt übrigens etwas nachgelassen hat. Das Magazin WELT begründet den Hype u.a. damit, dass Johnny Depp ein bekannter Schauspieler sei, seine Befürworter vor allem Fans und Amber Heard aus deren Sicht die Nostalgie um seine Person beschmutzen würde. Die Nutzerbeiträge zeigen: das ist so nicht richtig.

„Amber keeps saying it’s Johnny Depp’s ‚obsessed‘ fans that are hating on her. I was never a fan before this trial. I had only seen 2 of his movies. This trial made me want to support him because he is a victim. #WeJustDontLikeYouAmber“

@red_velvet_ari, 25.203 Likes

Warum erhält Johnny so viel Zustimmung?

Aus den Nutzerbeiträgen geht hervor, dass Johnny Depp eine starke Fangemeinde hat, die viele Beweise in leicht verdaubaren Snippts nach außen tragen. Aber das ist nicht der Grund für den Hype. Er wird gerade zum Aushängeschild für missbrauchte Männer auf der ganzen Welt. Dass Amber ihn auf ihren Audioaufnahmen demütigt, weil er sie ruhig auf ihre Gewalt anspricht, verschärft diese Position. Zudem nehmen immer mehr Menschen ihre Aussagen auseinander und dadurch kommen viele Unstimmigkeiten ans Tageslicht. Außerdem wirken Amber’s Zeugenaussagen in den Augen vieler nicht authentisch und weichen von ihren eidesstattlichen Aussagen aus 2016 ab.

#Mentoo
Gewalt gegen Männer ist tabuisiert. Johnny Depp gibt diesem Thema ein Gesicht und bricht damit ein fest verankertes Stigma. Viele männliche Nutzer teilen ihre Erfahrungen.
Beweise
Amber Heard sagte aus, dass Johnny ihr blaue Augen und Prellungen auf der Stirn verpasste und ihre Nase brach. Nutzer diskutieren die fehlenden Fotos dazu.
Crowdsourcing
Die Nutzer durchleuchten Amber’s Aussagen und Bilder und decken dabei Versprecher oder Unstimmigkeiten auf. Beispiel: Amber’s „Bruise-Kit“

Was diskutieren die Nutzer am meisten?

Die Online Community interessiert sich für viele Elemente der Verhandlung. Die Reaktionen von Johnny, seines Anwalts Ben Chew oder seinen Zeugen lassen die Views in die Höhe schießen. Hohes Interesse erzeugt auch Dr. Shannon Curry’s Diagnose der histrionischen Persönlichkeitsstörung, wie Suchanfragen in Zusammenhang mit Amber Heard zeigen.  Amber’s Lüge zu ihrer Scheidungsvereinbarung wird ebenfalls häufig thematisiert. Nutzer deckten außerdem auf, dass die Aussagen von Amber und ihrer Schwester  Whitney zum sogenannten Stair Case Incident nicht überein stimmen, und zudem Depp’s Zeugen widersprechen. Und dann wären da doch die von Amber teils illegal aufgezeichneten Gespräche, in denen sie der Aggressor ist. Deshalb glauben viele, dass Johnny Opfer einer Hoax geworden ist. Nicht, weil er Captain Jack Sparrow ist.

„More than 6 years ago Amber Heard taunted Johnny Depp to tell the world and the jury that he was the victim of domestic violence and see who’ll believe him. Today she gets to sit there and watch him do exactly that.“

@mimasdiaries, 458.545 Likes

Welche Fragen stellen sich die Nutzer?

Das Tool Answer the Public, das seine Daten u.a. aus Google’s Auto Suggest Funktion bezieht, zeigt die Fragen und Assoziationen der Nutzer rund um das Thema #JusticeforJohnnyDepp. im Folgenden sind die W-Fragen samt verschiedenen Präpositionen in Form einer Mindmap visualisiert:

DATENANALYSE

Schon gewusst? Mit dem Google Data Studio können wir jede Daten in aussagekräftige Dashboards verwandeln.

Love Reactions für Amber

Der Experte für Social Media von Amber Heard’s Team, Ron Schnell, trat am 19. Mai vor dem Bezirksgericht von Fairfax in den Zeugenstand. Schnell behauptete, er habe zwischen 2018 und 2021 Social-Media-Beiträge über Depp und Heard analysiert und anhand einer Stichprobe der Tweets zu #JusticeforJohnnyDepp darauf geschlossen, dass sie sich *alle* negativ gegen Heard richteten. Das ist nur teilweise richtig. Denn sehr viele Tweets sprechen einfach nur ihren Support für Johnny oder Gerechtigkeit im Allgemeinen aus. Zudem gibt es bspw. „Love“ Reactions auf Facebook zu Inhalten rund um Amber Heard, aufgrund derer man Rückschlüsse auf Twitter ziehen kann:

Millionen von Views

Der Prozess hat es Nutzern aber auch ermöglicht, Millionen von Aufrufen auf ihren Kanälen zu erzielen, die vor wenigen Wochen nur eine Handvoll Zuschauer hatten. So zum Beispiel die der Anwälte Christopher C. Melcher oder TheRealLauraB. Rob, ein Anwalt einer kleinen Anwaltskanzlei aus Virginina, ist mit seinem Youtube Kanal erst seit kurzem online. Aber er hat dank seiner vor Ort Berichterstattung (er verfolgte die Verhandlung sogar live im Gerichtssaal) innerhalb kürzester Zeit 1.7 Millionen Views generiert:

Da ist die Verhandlung sicherlich ein willkommener Anstoß, die eigene Reichweite zu vergrößern. Aber es sind eben jene New Wave Journalisten, die dabei helfen, dass das Thema ‚Gewalt gegen Männer‘ endlich an Stigmatisierung und Tabuisierung verliert. Die Resonanz in den Kommentarspalten all dieser Kanäle ist überwältigend: Immer mehr Menschen, die häusliche Gewalt und Missbrauch überlebt haben, melden sich zu Wort. Darunter auch viele Männer. Und das ist ein echter Gewinn von Depp vs. Heard.

Food for Thought

Johnny Depp gewinnt

Nachtrag: Johnny Depp hat am 1.6.2022 seine Verleumdungsklage gegen Amber Heard gewonnen! Die sieben Geschworenen aus Fairfax, Virginia gaben ihm in allen drei Anklagepunkten recht. Sie sprachen Depp mehr als 15 Millionen Dollar Schadensersatz zu, weil seine Ex-Frau mit ihren Behauptungen über häusliche Gewalt ihn böswillig verleumdete und seiner Karriere geschadet habe.  In einem Interview kritisierte Heard das Urteil und die Jury, anstatt reflektierend einen Blick auf ihr Verhalten zu werfen.

Da viele Medien nicht wahrheitsgemäß über die Verhandlung berichteten und wichtige Details außen vor ließen, gilt ein besonderer Dank der Richterin Penny Azcarate. Denn sie erlaubte Kameras im Gerichtssaal. Bei Headlines wie „Im Zweifel für den (reichen) Mann“ oder „Johnny Depp gegen Amber Heard: Ein Rosenkrieg und zwei Verlierer“, wird klar, wie notwendig das war. Nur so konnte sich die Öffentlichkeit ihr eigenes Bild machen, losgelöst von der Meinung der Journalisten.

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HEINRICH WUFF
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